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20.02.18

letting life flow

Seit einigen Monaten beschäftigt mich dieses eine, schon so lange geöffnete - aber natürlich immer die Augen davor zugehaltene - Kapitel des Lebens immer mehr. Die Annahme, dass das Leben einem so lange die selbe Aufgabe gibt bis man endlich auf den Geschmack gekommen sie zu lösen scheint hier tatsächlich der Fall zu sein. Seitdem ich das Gefühl habe, dass es tatsächlich komplett zwecklos ist, dieses Kapitel auch nur noch einen Tag länger zu ignorieren - sofern ich die Absicht habe als menschliches Wesen weiterhin zu wachsen - habe ich mich dazu entschieden, einen neuen Blickwinkel zu wählen. Einen, der unerschrocken und frei ist.



Ich bin nun besonders achtsam damit, jeden einzelnen Tag den ich erleben darf in einem Zustand der tiefen Dankbarkeit zu sein. Ganz alleine schon unbeschreiblich dankbar dafür, dass ich diesen einzigartigen Tag habe - ganz unabhängig von meiner Wertung - ob gut oder schlecht - gegenüber dem was passiert ist oder gegenüber dem was ich getan habe. Lernen, das was ist anzunehmen, ohne versuchen zu kontrollieren und zu kompensieren. Ich fühle mich nun irgendwie als ob ich mich nach vielen Umwegen nun auf diesem wundervollen und vorher noch nie gegangen Weg befinde, nach so langer Zeit in dieser Hinsicht wieder auf eine ganz neue Art zurück zu finden.



Endlich zu lernen, das Leben durch mich fließen zu lassen. 
Endlich zu lernen, die Tage die ich durchlebe, mich selbst inbegriffen, weniger zu bewerten und das Leben konstant als ‚gut‘ oder als ‚schlecht‘ abzustempeln und einzuordnen. Als wenn diese zwei Begriffe das Leben erfassen könnten. 
Endlich zu lernen, alles anzunehmen und nicht alles irgendwie zu versuchen krampfhaft in mein einschränkendem Gerüst der inneren Sicherheit - bestehend aus alten Ansprüchen und Vorstellungen deren Zeit mittlerweile vergangen ist - zu quetschen. Es war zwar nie die angenehmste Art wie ich die Dinge in der Vergangenheit viel zu oft für mich geregelt habe, aber irgendwie hat das überleben ja dann doch funktioniert. Vielleicht war auch einfach das ein Grund, warum mein Verstand so vergessen an dieser Verhaltensweise festhielt - ich weiß es nicht.

Die Verhaltensweisen die ich nun jeden Tag weiter gehen lasse, waren in den letzten Jahren mal mehr und mal weniger präsent in meinem Leben. Danach zu leben war weder angenehm, noch hat es mich in irgendeiner Weise abends glücklich schlafen gehen lassen. Nicht einmal Spaß hat es gebracht. Es ist schlichtweg langweilig, es inspiriert niemanden und das Einzige was ich nach dem dem ständigen Aufwand davon hatte war die eingebildete Sicherheit meiner Identität. ''Ist es mir das wirklich wert?'' habe ich mich ehrlich gefragt. Möchte ich meine Identität wirklich auf ein inneres Gerüst der Sicherheit gründen? Auf meinen eintönigsten und immer monotonen Urinstinkt der Angst? Wie schön, dass man die Entscheidung treffen kann, loszulassen. Man kann sich dazu entscheiden dem Leben und sich selbst zu vertrauen und die Dinge einfach fließen zu lassen. Man kann leben ohne mühsam zu versuchen das gesamte Leben zu kontrollieren. Vor einem Jahr wäre mir bei dem bloßen Gedanken daran wahrscheinlich schon richtig übel vor Angst geworden. Ich ohne meine gut getarntes Sicherheitskonstrukt - Wer oder was bin ich denn dann noch? Und jetzt bin ich auf einmal hier - und irgendwie habe ich den Großteil der ganzen schweren Sicherheitsausrüstung hinter mir gelassen.



Ich möchte nun lernen, das Leben einfach fließen zu lassen. Ganz einfach so wie es ist auf seine eigene wunderschöne Art und Weise.
Ich habe den Wunsch mich von all den Dingen, die mir all diese innere Sicherheit geben, komplett zu lösen und mich anstelle dessen vom Leben tragen lassen. 
Ich möchte mich dieser wundervollen Vielfalt vollkommen öffnen, bedingungslos und ohne Ausreden.
Ich möchte lernen, all die verschiedenen Dinge, die mir jeden einzelnen Tag widerfahren, anzunehmen und als Teil des Lebens zu akzeptieren. Den Tag einfach mal so stehen zu lassen, so wunderschön echt wie er ist. Ohne im Nachhinein zu versuchen zu kompensieren und geradezubiegen für meine innere Sicherheit. Es ist immer das selbe, immer unglaublich mühsam, langweilig und eintönig.
Ich möchte lernen, nichts voreilig abzuwerten und anstelle dessen dem liebevollen Blick für die Schönheit und das Positive auf die Dinge zu schauen, auch auf die, die erst einmal negativ erscheinen mögen.

Ja, ich habe die Möglichkeit das wundervolle Leben das mir geschenkt wurde zu einem großen Teil selbst zu kreieren und so wunderbar bunt zu gestalten wie ich es mir nur vorstellen kann. Ich kann entscheiden, welcher wundervollen Vielfalt an Dingen ich auf welche Art und Weise meine kostbare Zeit widmen möchte. Ich kann entscheiden in welchen Bereichen des Lebens ich als Wesen dazulernen und wachsen möchte. Was ich nicht mehr möchte, ist weder das Kontrollieren, noch die Abhängigkeit meiner Emotionen und Gefühle darüber, was das Leben dann noch darüber hinaus für mich bereit hält. Ich möchte von der kompletten Verantwortung gegenüber dem Leben und mir selbst loslassen. Einige Dinge passieren nun einmal auf einer anderen Ebene. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann weiß ich,  dass weder Kontrolle, noch gedanklich negative Wertungen der Dinge oder mir aufgrund meiner Abgabe der Kontrolle und Verantwortung angebracht sind.



Nachdem ich anfing das Leben einfach fließen zu lassen überkam mich im Nachhinein oft erstmal ein Schwall an negativen Gedanken gegenüber mir selbst. Ja, fast so als sei es ein Verbrechen das Leben einfach mal das Leben sein zu lassen und mich rauszuhalten. Ich mache mir viele Gedanken darüber, wenn ich ein bisschen Zeit verschwendet habe oder mal ein paar Tage faul bin und durch eine trägere Lebensphase gehe. Anstatt der kompletten Kontrolle kam nun also ein schlechtes Gewissen darüber, nicht mehr zu kontrollieren - ich fühlte mich machtlos. Dabei macht genau das Zulassen dieser Dinge des Lebens das Leben doch so wunderschön aufregend und spannend. Das zu kontrollieren und zu verantworten zu versuchen ist dagegen fast schon eine Frechheit dem Leben gegenüber. Es raubt kostbare Lebensfreude und Energie für ein jämmerliches bisschen innere Sicherheit. Ich möchte mich für all diesen kostbaren Geschenken die das Leben jeden einzelnen Tag bereit hält öffnen, anstatt einen von der Angst getriebenen Aufwand zu betreiben, alles so zu kompensieren als wären diese manchmal auf ersten Blick negativ erscheinenden Dinge nie passiert. Ich beobachte alle dadurch neu aufkommenden Gedanken der Angst und der Negativität gegenüber mir selbst und meinem Leben und lasse sie einfach kommen und gehen. Sie mögen vielleicht noch eine Weile immer wieder kommen, vielleicht verschwinden sie auch nie. Das ist auch okay, denn ich nun sie einfach zu beobachten und da sein zu lassen, ohne aber mich mit ihnen zu identifizieren und von ihnen herumscheuchen zu lassen. 



Die Aufgabe des Lebens an mich ist es also momentan, meine Eigenverantwortung auf die Gestaltung des schönsten Tages nach meinen Vorstellungen zu belassen. Wann immer ich dem nicht nachgehe oder das Leben mich überrascht möchte ich auch genau das annehmen. Ich möchte mich liebevoll öffnen und präsent das Positive daraus ziehen. Anschließend heisst es und einfach weiterzumachen wie es passt. Kein Kompensieren, kein Widerstand und kein schlechtes Gewissen mehr, und dann anstelle dessen die Begeisterung dafür, ein wundervolles Leben voller Überraschungen erleben zu dürfen. Wenn ich gar nichts kompensieren muss, warum dann nicht Annehmen mit positiven Gedanken in Neugier und Bereitschaft? Genau hier ist es wieder wundervoll diesen weg weiter zu gehen, die Verantwortung übernehmen und mich dazu zu entscheiden glücklich darüber zu sein, dieses aufregende Leben erfahren zu dürfen. Hat deine Angst dich auch schon einmal dazu getrieben, eine solche so freiheitsberaubende Struktur Sicherheit zu erbauen? Ich freue so sehr über jeden einzelnen Gedanken zu diesem wundervollen Thema!
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Kommentare

  1. Deine Posts sind immer so inspirierend.
    Wenn ich deinen Blog lese, habe ich wirklich das Gefühl ein wenig Ordnung in meine Gedanken zu bekommen.

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar zu meinem Post. :-)
      Du bist in dem Award übrigens auch von mir nominiert, man muss natürlich nicht teilnehmen, aber ich wollte es dir nicht vorenthalten.

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  2. Ein ganz ganz toller Beitrag! Ich fühle mich sehr inspiriert davon und denke in den letzten Tagen selbst viel über dieses Thema nach. Auch ich habe für mich entschlossen, mich mehr vom Leben leiten zu lassen. Das Leben lässt sich einfach nicht kontrollieren! Ich bin ein sehr verkopfter Mensch und es fällt mir schwer loszulassen. Aber ich bin dabei meine Ängste aufzulösen und dem Leben zu vertrauen.

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

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  3. Liebe Lea,
    ein wunderbarer Post. Eine Anregung das Leben zu leben statt zu zerdenken. Etwas, was wir alle wohl viel zu oft tun. Ich mag vor allem deine Collagen mit den Zitaten!
    Liebe Grüße Anne
    https://trustyourgut1.blogspot.de/

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  4. Liebe Lea,
    dein Post hat mich wirklich sehr inspiriert und ich denke, dass jeder ein bisschen mehr lernen sollte, loszulassen und einfach zu leben. Für mich persönlich ist das ziemlich schwer, da ich gerne die Kontrolle habe und mir teilweise To-Do Listen schon eine Woche vorher schreibe...Sicherheit ist eben eins unserer dringendsten Bedürfnisse.
    Deine Worte sind sehr schön und ich hoffe, dass auch ich eines Tages die Dinge einfach passieren lassen kann wie sie sind...

    Alles Liebe
    X

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